Donnerstag, 12. März 2015

Wenn der Mond uns grün erscheint ...


Abenteuer mit Krakilly, Welifar und Wassernase
Erster Teil



Krakilly und Welifar leben auf den Färöer Inseln. Welifar ist eine Möwe und Krakilly eine Krähe. Sie sind beide erst vor kurzem aus ihren Eiern geschlüpft und wünschen sich, so bald wie möglich fliegen zu können. Noch erkunden sie die Umgebung auf ihren dünnen Beinen. Aber auch so kann man die tollsten Abenteuer erleben.

»Irgendetwas war heute Nacht am Himmel. Eigenartige Töne hab ich gehört. Und der Mond hatte eine völlig irre Farbe. Alles war grün. Ich wollte schon aufstehen und zum Strand gehen, aber solange ich nicht fliegen kann, ist mir das zu gefährlich.«
»He Weli, Du hast geträumt, ist mir auch schon so gegangen. Es können auch Nordlichter gewesen sein, die Du gesehen hast.«

»Schon möglich, aber die Musik, wo kam die her?«

»Ich frag mal Mama, sie ist schlau und hat noch klügere Freunde.« Killy wurde nachdenklich.
»Vielleicht erscheint uns der Mond nur grün, vielleicht sind das die Wolken, die so aussehen?«, meinte Weli darauf.

»Grüne Wolken? Warte, bis ich mit Mama geredet habe. Das wird sie auch interessieren, denk ich mal.« 

Das Nest von Killy lag auf einem Ast, der weit über die Steilküste ragte, das von Weli ein paar Meter darunter, auf einer vorspringenden Klippe. Tagsüber hüpften die beiden Vögel wie kleine Wollebällchen zwischen den Steinen herum und schauten sehnsüchtig zu den erwachsenen Vögeln auf, die über dem Meer flogen. Jeden Tag wurden ihre winzigen Flügel etwas größer. Doch von den Schwingen der Eltern waren sie noch weit entfernt. Killy konnte sich mit ihren Krallen gut festhalten, Weli hatte große Schwierigkeiten beim Laufen. Sie hatte Schwimmfüße. Wenn sie hinter Killy hertrippelte, sah es aus, als wäre ein Bergsteiger mit Taucherflossen unterwegs.
Von Welis Traum hatte Killy bisher niemanden etwas erzählt. Sie hatte es sich erst mal anders überlegt. Sie wollte selbst herausfinden, welches Geheimnis sich dahinter verbirgt. Die nächste Nacht wollte sie wach bleiben. Funktionierte aber nicht. Sie schlief immer tief und fest. Und heute hätte sie auch verschlafen, wenn da nicht ein Geräusch gewesen wäre. Steine kullerten von der Steilküste herab. Killy erwachte nun doch und schaute besorgt zum Möwennest hinunter, wo ihre Freundin war.
»He, Weli, alles o.k.?«
»Ja, alles, war wahrscheinlich ein Schaf, schlaf ruhig weiter.«
Killy konnte nun nicht mehr einschlafen. Immer wieder schaute sie in den Himmel. Nichts hatte sich geändert. Der Mond stand so silbern wie immer über dem Horizont. Hat Weli nur geträumt, dachte die kleine Krähe wieder und wollte sich gerade auf die andere Seite drehen. In dem Moment erklang die Musik, von der Weli gesprochen hatte. Killy riss die Augen auf und sah, dass der Himmel nun wirklich grün war. »Also doch Nordlichter?« Dann schaute sie auf den Mond, der war noch grüner als der Himmel. Jetzt war sie putzmunter und hüpfte aus dem Nest. Und nichts wie runter zu Weli.
»Los, es ist hell genug! Wir gehen zum Meer!«

Vorsichtig hüpften sie von Stein zu Stein, bis sie am Ufer waren. Alles war in grünes Licht getaucht, auch die Felsen. Und da sahen sie die Schaukel.
»Ja, richtig, ich hatte mich nicht geirrt, es war eine Schaukel, die am Himmel hin und her schwang.«
Man konnte allerdings nicht sehen, wo sie aufgehängt war.
»Wow! Krass!«, rief Killy begeistert.
»Wo kommt die plötzlich her?«
»Egal, aber da will ich jetzt draufsitzen. Wie kommen wir dahin?«
»Du willst allen Ernstes damit schaukeln?«, meinte Weli nun doch etwas unsicher.
»Ja was denkst Du, warum die da herumbaumelt? Und warum uns jemand hierher gelockt hat. Das war kein Zufall. Mama sagt immer, dass alles einen Sinn hat.«
»Vielleicht sollten wir doch erst mal Deine Mama fragen?«
»Nee, das ist unser Geheimnis. Ich liebe Abenteuer!«
»Trotzdem kommen wir da nicht rauf.«
»Abwarten, meine liebe Welifar, schau mal auf das Wasser, unter der Schaukel ...«
»Eine Insel. Die war noch nie dort!«
»Das ist ein Fisch, der ist ja riesig, schau mal, er wird immer größer.«
»Und er schwimmt zu uns ...«

Weli patschte wie ferngesteuert ins Wasser. Killy hinterher. Ein eigenartiges Tier, das sich ganz langsam in Richtung Ufer bewegte. Wie eine schwimmende Insel. Die beiden Vögel konnten nicht anders. Ein Hüpfer und sie hockten auf dem Fisch. Ruhig drehte er und schwamm zurück zur Schaukel, die sich bis zur Wasseroberfläche gesenkt hatte und sich nicht mehr bewegte. Das war eine Einladung. Logisch, dass die beiden Federbällchen sofort darauf Platz nahmen und kichernd warteten, was nun geschehen würde.
Die Musik wurde lauter und die Schaukel schwebte, immer höher schwingend, in den Himmel.

»Hallo, ihr kleinen Freunde, gefällt Euch das? So ist fliegen.«
»Wer bist Du?«, riefen die beiden Vögel erschrocken.
»Ein Wassertropfen, Fips hat mich Wassernase genannt.«
»Wer ist Fips?«
»Das ist der Freund von meiner Mama, stimmt`s? Und Du kannst Geschichten erzählen.« Killy hatte natürlich von ihren Eltern die Geschichten aus Rabenhorst gehört.

»Richtig, und immer wenn der Mond grün ist, könnt Ihr hierher, zu mir kommen. Dann werde ich Euch etwas über die Geheimnisse der Welt verraten. Während ihr schaukelt. Schaukeln ist gut für den Kopf, dann lernt ihr nämlich besser. Jetzt wird Euch Mola zurückbringen. Abenteuer habt ihr heute reichlich gehabt. Und noch etwas. Das Schaukeln ist für Euch keinesfalls umsonst, Ihr müsst allerhand dafür tun. Und jetzt wünsche ich Euch noch eine gute Nacht.«
Der Wassertropfen verschwand, versickerte in einer Felsspalte. Und die beiden Vögelchen lagen kurze Zeit später träumend in ihren Nestern.



 

Mehr findet Ihr bei
www.juttaskinderbuch.de


Viel Spaß und liebe Grüße 
Eure Krakilly +